TRIGGERPUNKTE

 

Ein paar sehr persönliche Erinnerungen an eine Zeit, als ich noch keine grosse Zukunft hinter mir hatte. Ist nicht lange her ;-) ernsthaft: die folgenden drei momente waren Auslöser für wichtige Entscheidungen.

 

CHILDLIKE FEEDBACK

Childlike Feedback zeigt den Sohn eines befreundeten Paares. Ich sollte eine Wegmarke in dessen fotogener Biografie setzen. Das interessierte diesen einen Deut. Glücksfall! 


Die folgende Bilder sind im Unfeld der Eisenplastik von Richard Serra im Basel entstanden.

IRON DARKROOM

LEAVE ME ALONE

Die dritte Serie zeigt den Prozess des Sterbens unseres Vaters. Warum der Titel? Er war kein Mann der grossen Worte. Auch nicht der kleinen. Er schluckte meist leer oder frass auch das in sich hinein, was er nicht verdauen mochte. Wenn er konnte, suchte er das Weite. 


In den Schweizer Bergen schien er sie zu finden, seine Ruhe. Dort fühlte er sich geborgen im Glauben an Gott. Im sozialen Kontext der Arbeit und der Erziehung war er oft überfordert. Das ist dann zeitweilig gewaltig aus ihm herausgefahren. Ich wollte zeitlebens mit ihm darüber reden. Er wollte von nichts wissen, hat sich mehr und mehr verschlossen: Leave me alone! 


Sein Abgang war schmerzhaft. Demenz. In einem dafür spezialisierten Pflegeheim wollte man ihn nicht mehr haben, weil er derart urgewaltige Kräfte und schmunzelviel Phantasie mobilisieren konnte, um immer wieder auszubrechen. In die einsame Stille der Schweizer Berge reichte es nicht mehr,  er verirrte sich in der nahen Umgebung. Und gefährdete sich selbst, musste letztlich in eine psychiatrische Klinik überwiesen werden, wo man ihn mit Medikamenten ruhigstelle. 


Ich meine, da hat er realisiert, dass man ihn nicht mehr wollte. So nicht mehr haben wollte, wie er nun einmal geworden war. War er vorher noch bei Kräften gewesen, so dass er trotz gesicherter Fenster und übermannshoher Zäune ausbrechen konnte,  sackte er nun innert weniger Tagen in sich zusammen, reagierte auf nichts mehr, stierte nur noch vor sich hin. 


Als er ruhiggestellt war, durfte er zurück ins Heim. Doch er hatte in der Psychi einen Virus eingefangen. Das raffte ihn dahin. Eine Woche reichte.

 

Wie er sich doch gewehrt hat gegen das Sterben! Ich h vermisse ihn so sehr. Auch weil ich ihn zeitlebens nie wirklich getroffen habe. Hat er seine (letzte) Ruhe gefunden?