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HÄSSLICHKEIT

#kafisatzlesen 492/1565:   


F L E I S C H E S L U S T 

A D  J Ö H H H . . . 


«Nur noch gesenkten Blicks durchs Leben?»

«Kanns nicht mehr sehen.»

«Das Elend von Obdachlosen wie mir?»

«Es scheint dir nicht den Schlaf zu rauben.»

«Vom Znünismus allein hast du auch nicht gegessen.»

«Ha ha.»

«Also! Was kannst nicht mehr sehen?»

«Die Hässlichkeit des Fleischlichen in meiner Altersgruppe.»

«Genauer.»

«Genau!»

«Nimm dir eine Jüngere.»

«Zu teuer. Und moralisch gesehen auch hässlich.»

«Du raubst mir echt den Schlaf.»

«Sorry.»

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Selbstgespräch auf dem Vorplatz der herausgeputzten Kirche mit der wohl Saft strotzendsten Palme in ganz Arrecife. Aber von vorne.


Der Kafi im Hotel war so scheusslich (die Lanzaroteppen schäumen glaubs in Wasser gelöstes, süssen Milchpulver), dass ich ihm keinen Satz widme. Aber, passend zum Foto des Tages, möchte ich ein Gebet aus Kindertagen zitieren. So gehts: "Komm, grosser Gott, bitte streu Lorso übers Land, dann lass es regnen, damit die Milch von den Hügeln fliesst. Und niemand mehr Hunger leiden muss."


Heute "bete" ich, dass es Rettungsboote regnet. Oder das Mittelmeer zu Käse gerinnt. Oder populistische PolitikerInnen zu Stein erstarren. Und all jene, die sie wählen, die Angst verlieren, die Angst vor der Zukunft, vor dem Fremden, vor dem Unbedeutendsein. 


Obwohl sie vielleicht berechtigt ist, diese Angst. Wieviele Obdachlose wird Europa in 20 Jahren haben? Wieviel, wenn, zwar korrumpiert bis korrupt, die Vernunft des elitären Geistes an der Macht bleibt? Wieviel, wenn die Fleisch gewordene Hässlichkeit des wieder gärenden Bodensatzes mehrheitsfähig wird?


Weltbewegende Fragen. Und parallel dazu kognitive Dillsonanzen á la Dialog oben. Profan Privates. Denn ich fläze ja faul auf den Kanaren rum, schaue in den Denk- und Pennpausen am Strand Frauen nach und finds grässlich hässlich, was ich im Allgemeinen sehe. In meiner Zielgruppe zumindest, die meinem moralisch gerechtfertigten Altersamplituden-Beuteschema entspricht (geile Wortschöpfung gell?! 😂😂😂). 


Apropos Hässlichkeit des alternden Fleisches. Gilt auch für mich, wenn ich in den Spiegel schaue. Drum gschwind ein derbes Fazit: Der Geist ist dillig, das Fleisch ist schlaff. Ad jöhhhhh 👀