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ROMANHELD?

(#kafisatzlesen 445/1565):


«Warum bist du ein Genie?»

«Ich komme aus der Kambly Dynastie.»

«Du machst auf Gutzi?»

«Als Töffrennfahrer ja. Ist aber lange her.»

«Jetzt aber ernst: Wie heisst dein nächstes Buch?»

«Wo ein Stenz ist noch lange kein Lenz.»

«Danke für die fiktive Einleitung.»

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Als ich letzte Woche in der literatouristischen Solothurns Altstadt die letzten Sonnenstrahlen geniessen wollte, fand ich mich unvermittelt im Schatten eines Titanen. Eine Traube von Durchschnittsmenschen mit im Steilwinkel nach oben gerecktem Kinn um ihn rum.


Ziemlich steiler Winkel übrigens, sah nach drohendem Genickbruch aus. So einem Titanen auf Augenhöhe begegnen zu wollen, kann glaubs gefährlich sein. Item. Über zwo Meter gross und schlaksig, das kann nur der Hannes sein, dachte ich und schlenderte eine Weile hinter ihm her. Dann aber Überholmanöver und Durchblick.


Es war der Lenz. Aber eben: Gleiche Hagerkeit, gleiche Haarigkeit (Gstabli-Frise), gleicher Schwankgang, Beinlänge in der Grössenordnung einer Kirschbaumleiter. Kein Wunder, wird mein guter, alter Freund Hannes nach dem nächsten Buch gefragt. Er gleicht dem Lenz aufs Haar. Von weitem. Dabei ist er der unverwechselbarste Mensch auf Erden. 


Er ist zwar kein Titane der hiesigen Literatur- und Tschüttelerszene, dafür ein Leuchtturm an Erfindungsreichtum. Wenn er von seinem Wirken, seinen Werken oder seinen Wesensverwandten verzellt, dann kann Dill Schweiger einpacken.


Hannes entwickelte Schneetöffs mit Raupen statt Rädern (die Geschichte schrieben), baute – nach Skizzen aus seiner Kindergartenzeit – funktionstüchtige Baubagger im Massstab 1:XY (die mittlerweile im Museum stehen), Sternkupplungen für Glasfaserkabel (die Innovationspreis verdächtig sind) oder – in einem Drahtseilakt zwischen funktioneller Verwegenheit und ästhetischem Kalkül – filigrane Bauteile für ein Emmentaler Zwergunternehmen, welches dank Hannes' Designer-Qualitäten inzwischen auf Weltmarktgrösse herangewachsen ist. Nein, es geht nicht um Güetzis (die machen andere aus dem Dunstkreis seiner Familie). Es geht um gute Architektur. Zum Beispiel.


Ah ja, Kunsthappenings mit vom Verschrotten oder Vergessen bedrohten Flugzeugmotoren macht er auch, und bestimmt werde ich noch einiges vergessen haben, aber eines niemals: Die unvergesslichen Abende und Nächte voll pausen- und atemlos erzählter Geschichten, die in ihrer epischen Länge seine Körpergrösse um kosmische Dimensionen schlagen 😂


Kurz und gut. Hannes Jakob, der in seinem Heim auf dem skulturalen Rollator eines befreundeten Künstlers hockt, ist eine Seele von einem Menschen. Und ein Freund, dem ich nur alle paar Jahre begegne. Demnächst auch als Romanheld in Pedro Lenz neuem Buch? Verdient hätte er es. So als oft angequatschter Doppelgänger ;-)


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Fotografiert in Hannes' Haus in Barberêche am Morgen danach ....

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