SICHTWECHSEL

(397/1565)


«Was siehst du?»

«Das Leben durch die Brille des Zufalls.»

«Gleitsicht?»

«Weitsicht.»


Dialog die reinste Dillkür, das Folgende aber die reine Wahrheit 😉


Sandra ist mehrfache Mutter, happy mit ihrem geglückten Leben, engagiert in der integrativen Berufsbildung von Jugendlichen und zufriedene Ehefrau und also allein schon deshalb eine Ausnahmeerscheinung. 


Und ein Zufallstreffer! Weil sie geblendet ist. Umständehalber nicht von mir, sondern von der heute freundlich gesinnten Sonne, der wir unsere bleiche Haut anvertrauen, erst in Phalanx, dann vis-à-vis sitzend, weil sie keine Sonnenbrille dabei hat. So kommen wir ins Gespräch. Das Leben kann schon schön bereichernd sei.


Zurück zum Lauf der Dinge. Ich gebe alles, um sie rumzukriegen. Fürs Kafisatzlesen.  Kaltstart mit einem Exkurs zum Thema Brillen und Preisniveau hierzulande und Einkaufstourismus in Deutschland und dann warm werdend mit Tagi-Tagesthemen und zuletzt das heisse Eisen: Fragen zu einem allfälligen Facebook-Account und ob ich sie für eine meiner 1565 dillkürlichen Geschichten portraitieren dürfte. Ja klar, einen Account hätten aber weder sie noch ihre Kids noch habe sie die Zeitung gelesen. 


Ob sie, ich wichtigtuerisch aufs Grossmünster weisend, wisse, dass wir die Reformation zwinglischer Ausprägung eigentlich dem Cervalat verdanken. 


Du meinst, es geht wie immer um die Wurst, fragt Sandra etwas ungläubig. Und wird ein bisschen rot dabei. Das macht, man ahnt es, so leicht betüpfelte Rotschopffrauen noch hübscher. Also werde ich persönlich und fragte unverblümt nach. Warum errötend?


Sie schäme sich ein wenig dafür, dass sie weder politisch noch medial à jour sei. Aber man mache sich doch irgendwie auch etwas vor und zudem unglücklich, wenn man sein Weltbild vom Blick durch die Brille der sensationslüsternen weil quoten- und also katastrophenabhängigen Medienschaffenden abhängig mache. 


Verstehe ich das? Und wie! Scham finde ich da völlig fehl am Platz. Ich sollte auch wieder mal die Brille wechseln. Oder ohne durchs Leben schweben. Drum heute ausnahmsweise ein Portrait in Farbe. Und ab 😉😎

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