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BEINDÉCOLETÉ

(396/1565)


«Rasierst du dich unten?»

«Mann, ich geb' mir doch keine Blösse!»



Dialog oben mit Dillsbrunst geschrieben und frei erfunden, Bild eigentlich umpassend aber Blickfänger, Text unten mit wahrhaftig heiligem Ernst verfasst. Und nicht zuletzt von Wuwi provoziert ; -)


Bart B. Bötschi (Passendes Bild in Badehose beim Kafi folgt): Frauen fänden sie an Männern unsexy, Schüler bei Lehrern lächerlich und Stilpäpste bei allem Respekt eine Zumutung. Worum gehts? Um ein Pamphlet von ihm.


Bart B. Bötschi hat die Nase voll vom Anblick stilverwirrter Mannsbilder, welche die Hosen anhaben. In diesem Fall die falschen. Es geht um die 7/8 Variante. Dabei kommt er ins Schwimmen. Präzis verortet: Er dümpelt im Kielwasser eines Mannsbilds, der für mich manchmal wie ein Karikatur gewordenes Leidbild seiner Stildiktate aussieht. Betonung auf machmal! In 3/4 Radlerhosen zum Beispiel, die mustergültig assortiert zur Kappe passen, die er anhat. Sorry, 3/4 Hosen sind womöglich was anderes als 7/8. Mir wurscht.


Für die, welche Jeroen van Roijen nicht kennen sollten (eine Beleidigung an und für sich!): Jeroen ist ein Mustknow, ein stilbildender Steuermann in der von mittlerweile unübersichtlich vielen Beilagen fregattieren NZZ. Er übersetzt die langjährig an Frauen erprobten Rezepte der Annabelle ervolkreich in die markenbewusste Bild- und Legendensprache, welche die neuliberalen Rechten und linkischen Neureichen verstehen (linkisch nur in Bezug auf Stilfragen). Kurz, er ist DER Steuermann der Stunde, der einen sicher durch das Meer der modischen Un- und Möglichkeiten schleppt. 


Mehr als das. Er ist DER Stilpapst, als was er nunmehr allerorten zitiert wird. So auch von Bart. Der macht sich zum heutigen Ostermontag allerdings einer Unterlassungssünde schuldig: Er hätte, statt 7/8 Hosenträger wie mich abzuschiessen, Jeroen zu Höherem berufen müssen. Zum CEO des jüngsten Gerichts zum Beispiel, wo er mit Bart als Assi im Hosenlupf-Verfahren entscheidet, welche richtig angezogenen Männer welche richtig ungezogenen Jungfrauen zu Gesicht bekommen. Die Frage, ob das den dann alt aussehenden Säcken gut bekommt, lassen wir mal aussen vor. 


Selbstverständlich ist dieser Himmel im Grundsatz auch für LGBTS und Frauen offen. Für Männer wie mich aber kaum. Warum? Ich bin überzeugter 7/8 Hosenträger, allein aus dem Grund, weil ich das sexy finde und, seitdem ich ich meine Prachtsexemplare täglich Gassi führe, mich an einer Horte mich abschnuppernder Hunde erfreue, alle im Schlepptau schöner, an mir interessierter Frauen, ist ja klar. Einziger Schönheitsfehler: Meine Prachtsexemplare sind meinen Radlerwaden leider nicht ganz gewachsen. Egal, irgendwo darf ich ja zu dick auftragen, gell!


Was nicht egal ist: Es geht um die ästhetische Befreiung unter der Gürtellinie, um das beinfrei gewordene Décolleté des Mannes, präziser, um sexuell konnotierte Beinfreiheit und damit um die Befreiung von den Fesseln eines Hosenlängendiktats, wie es just zu Beginn eines jeden Frühlings von Bötschi, Roijen und Konsorten gebetsmühlenartig postuliert wird.


Schande über sie. Dagegen gilt es mutig anzutreten. Schluss mit dem Hosenschisser-Dasein: Kauft trotzig alle 7/8 Hosen auf. Und tragt euch damit zu Markte. Aber unten bittschön enthaart und zumindest optisch entschuppt mittels einer von Jeroen abgesegneten Feuchtigkeitscreme. Mann, wir geben uns doch keine Blösse!

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